Birdrace 2019 in GÖ: Ein Schauspiel der vielfältigen Fortbewegungsmittel

Birdrace Titel
Abb. 1: Unterwegs bei nassem und kaltem Wetter. Foto: A. Bischoff

Nach dem plötzlichen, unerwarteten Höhepunkt der Vielfalt mit neun Teams im Jahr 2018, waren die mehr- bis langjährig angestammten Teams und Teilnehmenden 2019 wieder mehr unter sich. Unerwartet vielfältig waren aber diesmal die Fortbewegungsmittel: Neben dem bewährten motorisierten Vierrad und dem muskelkraft-betriebenen Zweirad trat diesmal auch die elektrisierte Variante des Letztgenannten in Erscheinung. Mit unterschiedlichen technischen Gegebenheiten traten letztlich vier Teams - darunter ein soweit nicht näher bekanntes Team namens MILANOVIC – zu diesem alljährlich freudig-verrückten Ereignis am ersten Samstag im Mai im Landkreis Göttingen an, während der Nachbar-Landkreis Northeim diesmal nicht besucht wurde.
Regen, Graupel, Schnee und die zugehörige Kälte mit nur einigen kurzen sonnigen Phasen sorgten den ganzen Tag über für gemischte Gefühle bei den Teilnehmenden. Lange Unterhosen, Regenhosen und Handschuhe – wahlweise auch ein zweites, trockenes Paar – gehörten diesmal zur Standardausrüstung (more…)

May 21st, 2019

Die schönste Schwalbe zu Besuch -
nicht zum ersten Mal

Rötelschwalbe - VHesse
Abb. 1: Rötelschwalbe am Göttinger Kiessee. Foto: V. Hesse

Anfang April. Genauer gesagt der 3. April 2019. Ich bin auf der Suche nach meinem ersten Fitis der Saison. Auf meiner Fahrt durch die Feldmark Bovenden im Leinetal nördlich von Göttingen konnte ich bereits ein Pärchen Eisvögel am Graben entdecken, aber eigentlich hatte ich mir ein paar mehr Arten erhofft. Schafstelze, Fitis, Klappergrasmücke, Mehlschwalbe. All das hatte sich die letzten Tage bereits den anderen Vogelbeobachtern Göttingens gezeigt, nur heute vor mir wollten sie sich alle nicht offenbaren. Etwas resigniert erreichte ich die Kiesgrube bei Angerstein. Schon aus der Ferne fielen mir einige Schwalben auf, nicht viele, aber möglicherweise war ja nun doch noch die erste Mehlschwalbe darunter. Sie schienen meine bisher eher erfolglose Fahrt wieder gut machen zu wollen. In geringer Höhe jagten die Vögel über der Wasserfläche und der angrenzenden Feldmark und ließen sich dabei schön beobachten. Schnell waren einige Uferschwalben und auch die ersehnte Mehlschwalbe unter den etwa 50 anwesenden Tieren gefunden und bei mir machte sich Freude und etwas Erleichterung breit, den Weg nicht umsonst gefahren zu sein. Plötzlich weckt eine der Schwalben erneut meine Aufmerksamkeit (more…)

May 3rd, 2019

Der Vogelwinter 2018/19 in Süd-Niedersachsen:
Selten unspektakulär

Rotdrossel - MSiebner
Abb. 1: War in diesem Winter deutlich häufiger als sonst: Rotdrossel
Foto: M. Siebner

Als “winterlich” kann der Dezember 2018 fürwahr noch nicht bezeichnet werden, herrschten doch vorrangig milde Temperaturen mit im Mittel 4°C. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schnee waren Mangelware, vielmehr machten vorfrühlingshafte 12°C kurz vor Weihnachten die Hoffnungen auf eine weiße Weihnacht endgültig zunichte. Und der Januar? Zunächst zeichnete sich kein wirklicher Wintereinbruch ab; nachts fiel die Temperatur nicht unter -3°C und tags stieg sie dank stabiler atlantischer Luftströmungen auf bis zu 8°C - durchaus auszuhalten. In der zweiten Januarhälfte erreichte uns dann ein einigermaßen stabiles Hochdruckgebiet und bescherte uns eine sonnige Woche und Dauerfrost mit Temperaturen von bis zu -10°C. Wenngleich nur von kurzer Dauer, so brachte es dennoch etwas Dynamik ins Zuggeschehen. Selbst größere Stillgewässer froren großflächig zu und ließen zahlreiche Wasservögel auf Fließgewässer umsiedeln. Bis Mitte Februar stiegen die Temperaturen peu à peu auf bis zu 14°C und gegen Ende des Monats wurde die 20°C-Marke nur knapp unterboten, was vielerorts bereits eifrig zur Grillzange greifen ließ. Frühjahrszug und beginnendes Brutgeschäft sind bereits überall spürbar und lassen sich kaum mehr aufhalten. Oder doch? (more…)

March 9th, 2019

Naturkundliche Berichte zur Fauna und Flora in Süd-Niedersachsen 6 bis 14 online

Naturkundliche Berichte
Abb. 1: Dicker Stapel mit den Bänden 6 bis 14 der Zeitschrift

Von 2001 bis 2010 wurde die Zeitschrift “Naturkundliche Berichte zur Fauna und Flora in Süd-Niedersachsen” vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen herausgegeben. In den Bänden finden sich der avifaunistische Jahresbericht des jeweils vergangenen Jahres sowie viele interessante Beitrage zu Fauna und Flora der Region. Zu nennen sind u.a. Kapitel über den Mittelspecht, die Vogelwelt des Kerstlingeröder Feldes, des Göttinger Waldes oder des Göttinger Stadtkerns. Der reichhaltige Lesestoff hat dabei heute nicht an Aktualität verloren, hilft er doch Veränderungen in der Vogelwelt zu erkennen und zu verstehen. (more…)

February 10th, 2019

Späte Brutzeit und Wegzug 2018: ein sehr warmer, sehr trockener und endloser Sommer

Seeanger - MSiebner
Abb. 1: Ausgetrockneter Seeanger mit Schilf als Viehfutter Foto: M. Siebner

Kurz und bündig: Der Sommer 2018 war groß, sehr groß. Er begann Mitte April und machte erst Mitte November einem Kälteeinbruch Platz. Insgesamt gestaltete er sich nicht ganz so warm wie der „Jahrhundertsommer 2003“. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war aber keiner so trocken. In vielen Regionen fiel nur ein Drittel der üblichen Regenmenge. Winzer, Betreiber von Obstkulturen, Eisdielenbesitzer und Freibadgänger jubilierten, während Getreide- und Kartoffelbauern, Binnenschiffer und Förster über Einbußen klagten. Gebietsweise wurde das Grünfutter für Kühe und Schafe knapp. Biobauern hingegen, die aus Prinzip auf eine vielfältige Fruchtfolge setzen und den Boden schonender bearbeiten, waren nicht annähernd so schlimm dran. Und während sich im warmen Rinden-Mikroklima Myriaden gefräßiger Borkenkäfer über die vom Wintersturm „Friederike“ gebeutelten Fichtenplantagen in den Landesforsten und Privatwäldern hermachten, konnte man sich im Göttinger Stadtwald, der seit Jahrzehnten „naturgemäß“ bewirtschaftet wird, gelassen zurücklehnen: Schäden waren hier kaum auszumachen.
Vor dem Hintergrund dieses außergewöhnlichen Wetterphänomens, das sich besonders in Deutschland und Skandinavien bemerkbar machte, fabulierten Klimapropheten und Propagandisten/Profiteure der „Energiewende“ sogleich von einer „neuen Heißzeit“ oder gar vom „Kippen des Klimas“. Meteorologen, die zur Besonnenheit mahnten, kamen in der medial aufgeheizten Stimmung kaum zu Wort. Letztlich wird man frühestens in ca. 30 Jahren ein Urteil über den Realitätsgehalt dieser Prognosen fällen können. Eins ist aber sicher: Sollte der Sommer 2019 kühl und feucht ausfallen, werden sich die Normalbürger nach den Temperaturen des Vorjahrs zurücksehnen und das bekannte Klagelied von Rudi Carrell anstimmen (more…)

December 1st, 2018

Die Feldlerche – Vogel des Jahres 2019 –
in Süd-Niedersachsen:
Vom Himmel in den Abgrund der Roten Liste

Feldlerche - MSiebner
Abb. 1: Singende Feldlerche. Foto: M. Siebner

Auf einem Lesesteinhaufen steht ein kleiner, erdbraun gefärbter Vogel. Er putzt sich, mustert aufmerksam die Umgebung, sträubt ein Häubchen, und dann geschieht etwas Unglaubliches: In Spiralen steigt er, mit schnellen Flügelschlägen und unablässig tirilierend empor, immer höher, bis er nur noch als winziger Punkt am Himmel zu sehen ist. Dort oben bleibt er, immer noch singend, scheinbar unbeweglich stehen, bis es nach einigen Minuten (im Extremfall erst nach einer Stunde!) wieder abwärts geht. Die letzten Meter bis zum Boden legt er als rasantes Geschoss zurück. Nach der Landung ist er wegen seines Tarnkleids nur mit Mühe auszumachen. Weil man dieses Spektakel bereits im Februar beobachten kann, ist die Feldlerche, weit vor der Rauchschwalbe, der wahre Frühlingsbote, über den sich alle freuen, die in der freien Natur noch ohne Kopfhörer unterwegs sind. (more…)

October 29th, 2018

Seeanger: Naturschutzgebiet unter Druck?

Seeanger - VHesse
Abb. 1: Seeanger. Foto: V. Hesse

Bis ins 18. Jahrhundert existierte in der Senke zwischen Seeburg und Ebergötzen ein ca. 15 Hektar großes Gewässer: der Westersee. Zusammen mit dem Seeburger See und dem Luttersee (heute Lutteranger, 1989 wiedervernässt) bildete er ein Ensemble aus drei Feuchtgebieten. In der Folgezeit verlandete er. Übrig blieb ein Niedermoor, das bis weit ins 20. Jahrhundert entwässert und, bis auf kleine Reste, in Weide- und Ackerland verwandelt wurde.
Nach jahrelangen Vorarbeiten begann 2002/2003 die Renaturierung des Gebiets. Der Landkreis Göttingen hatte mit 105 Hektar einen Großteil der Flächen angekauft. Der Bachlauf der Aue, die seit jeher die Senke durchfließt, wurde streckenweise in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, Entwässerungsgräben verschlossen. An der tiefsten Stelle entstand schnell ein Gewässer, das zusammen mit dem benachbarten „Pfuhl“, der von einem weiteren Bach, der Retlake, gespeist wird, eine Einheit bildet.
Nach dieser Naturschutz-Großtat entwickelte sich der Seeanger schnell zum mit Abstand artenreichsten und wertvollsten Feuchtgebiet im Landkreis Göttingen. Besonders auf Vögel übt er - in einer Landschaft, die extrem arm an Feuchtgebieten mit Flachwasserzonen ist - eine magische Anziehungskraft aus. In manchen Frühjahren wimmelt es von Watvögeln (Limikolen), die auf dem Heimzug in ihre skandinavischen und nordasiatischen Brutgebiete rasten. Darunter befanden sich Ausnahmegäste wie Terekwasserläufer, Graubrust-Strandläufer, balzende Doppelschnepfen und andere Vögel, die auch versierte Vogelkundler zuvor nur dem Namen nach kannten (more…)

September 13th, 2018

Heimzug und Brutzeit 2018:
„Brüh’ im Lichte dieses Glückes!”

Silberreiher - M.Siebner
Abb. 1: Meister Proper im Göttinger Süden. Silberreiher im Hochzeitskleid.
Foto: M. Siebner

Die eigenwillige Umdichtung der deutschen Nationalhymne, die eine leichte Muse aus Delmenhorst 2005 vor einem Fußballspiel versehentlich zu Gehör brachte („ich war so aufgeregt“), hat endlich Wirkung gezeigt: Im April, Mai und Juni 2018 gestaltete sich das Wetter so sonnig und warm wie noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen vor ca. 150 Jahren. Können wir bald ein Klimaoptimum (heutzutage ein verpönter Begriff!) wie im Mittelalter genießen, mit Weinbau an den Hängen des Leinetals oder Ackerbau und Viehzucht auf Grönland wie zur Wikingerzeit (more…)

July 11th, 2018

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