Alte Bekannte wiederzutreffen, ist mitunter schön. Hängt davon ab, wer’s ist. Wirklich unkritisch wird das Ganze, wenn die Altbekannten Vögel sind. Die rücken einem nicht auf die Pelle – eher andersherum – zumal wenn sie recht selten sind. Nichtsdestotrotz scheint es manchen Vögeln bei uns gefallen zu haben. Sonst wären sie auch nicht bis in den Winter geblieben oder gar zu uns zurückgekehrt. Es mag schon stimmen, dass sich diese „altbekannten Vögel“ tatsächlich bei uns wohlgefühlt haben. Vielleicht fanden sie es aber überall sonst noch schlimmer.
Läuft man altbekannten Menschen über den Weg, sind diese oft kaum wiederzuerkennen. Bei Vögeln ist die Sache ähnlich knifflig, es sei denn, sie sind beringt. Ohne Beringung ist da kaum was zu machen. Gelegentlich lassen sich jedoch die Ortswechsel einzelner Vögel nahezu lückenlos verfolgen, wie uns das im Falle einer Rotflügelbrachschwalbe gelang, und in diesem Winter erneut, bei einer Zwergscharbe (siehe unten).
Tatsächlich gab es diesen Winter bei uns mehrere altbekannte Vögel, sowohl „Longstayer“ als auch Wiederkehrer. Insgesamt war viel Bewegung in der Vogelwelt. Schuld war, wie üblich, das Wetter.
Der November startete zunächst golden. Das änderte sich allerdings abrupt ab dem 21. mit einem markanten Kälteeinbruch mit viel Nässe, einem ersten Vorboten des Winters. Der Dezember zeigte sich daraufhin wechselhaft und meist wolkenverhangen. Zu Weihnachten wurde es dann sonnig und eiskalt; der Seeburger See vereiste peu à peu. Im Januar folgten knackiger Frost und Schneefälle, vor allem um die Monatsmitte, da fror sogar die Kiesgrube Reinshof, die sehr tief ist, zu. Am 22. Februar gab es einen ersten Frühlings-Vorgeschmack mit überraschend milden Temperaturen. Gegen Monatsende wurde es nass und trüb, was die Rückkehr der ersten Zugvögel leicht verzögerte. Insgesamt lagen die Temperaturen aufgrund fehlender Sonne und des ständigen Wechselspiels aus Frost und milden Westwindlagen eher im Durchschnitt der vergangenen Jahre.
Wie in jedem Winterbericht werfen wir zunächst einen Blick auf ausgewählte Singvogelarten, die in unserer Region in geringer Zahl alljährlich überwintern.
Feldlerchen konnten den gesamten Winter über beobachtet werden, teilweise in beachtlichen Zahlen. Am 3. Januar wurden beispielsweise 45 Individuen bei Bischhausen im tiefen Schnee gesichtet, am Tag darauf 70 in der Feldmark Reinshof. Am 9. Januar gerieten dann mindestens 350 nahe der Geschiebesperre Hollenstedt vor die Optik. Ab dem 8. Februar setzte dann stärkerer Feldlerchen-Heimzug ein.
Neu in dieser winterlichen Aufzählung ist der Seidensänger. Diese Art überwintert mittlerweile in Deutschland, vornehmlich im Westen. Bei uns gab es jetzt den ersten Winter-Seidensänger, allerdings nur bis zum 7. Dezember. Danach war er weg. Mit rund 100 Wintersichtungen auf ornitho.de legte der Zilpzalp im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zu.
Mönchsgrasmücken zeigten sich insgesamt neunmal – zunächst im Dezember und dann erst wieder ab Ende Januar.
Dagegen konnten Sommergoldhähnchen den gesamten Winter über nachgewiesen werden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde einem Vogel im „Freigeist-Hotel“ im Northeimer Wald die Scheibe eines Glasgangs leider zum Verhängnis.
Die Beobachtungen von Hausrotschwänzen betrafen vermutlich rund 16 verschiedene Individuen, die in der Region geblieben sind. Besonders häufig gemeldet wurde ein Vogel im universitären Umfeld der Goßlerstraße, der dort vom 7. Dezember bis Ende Februar erfolgreich überwintert hat. Singdrosseln wurden bis Mitte Januar lediglich sechsmal gesichtet. Danach stiegen die Zahlen langsam an, bis der Heimzug einsetzte. Bereits ab dem 24. Februar wurden singende Männchen an mehreren Stellen festgestellt.
Die Zahl winterlicher Heckenbraunellen hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, was sich nicht allein auf eine gestiegene Beobachtungs-Aktivität zurückführen lässt. Spitzenreiter waren erneut die Ruderalflächen am Northeimer Freizeitsee mit bis zu sieben Vögeln.

Während des Kälteeinbruchs Mitte Januar wichen Wiesenpieper in andere, hoffentlich wärmere, Gefilde aus. In der übrigen Zeit wurden insgesamt 175 Individuen gemeldet, darunter zweimal in Trupps von jeweils 15 Piepern.
Die Zahl der Meldungen von Gebirgsstelzen bewegte sich – wie in den letzten Jahren – auf konstantem Niveau und lag bei 109 (94 im Jahr 2024, 104 im Jahr 2023). Diese Art hat sich offensichtlich von dem Bestandseinbruch im Jahr 2021 noch nicht wieder erholt.
Bei den Bachstelzen gab es ebenfalls vermehrt Überwinterungen. Rund ein Viertel der gemeldeten Vögel entfiel auf einen langjährigen Bachstelzen-Schlafplatz in einem Rhododendronbusch in einem Gewerbegebiet der Göttinger Weststadt. Hier harrten bis zu 42 Vögel den gesamten Winter über aus.
Schließlich wurden Rohrammern gut 90-mal beobachtet. Dies betraf vorwiegend Meldungen von ein bis zwei Vögeln. Bis zu zehn Exemplare mischten sich am 10. Januar unter Hunderte Goldammern. Ab dem 27. Februar kam die Art mit mehr als 45 Vögeln im Leinepolder bei Salzderhelden wieder zurück in die Region.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Es gab insgesamt mehr Überwinterer als im Vorjahr, obwohl der Januar der kälteste seit 2017 war.
Und so stellte sich der Rest der Vogelwelt in diesem Winter dar:
Singschwäne erschienen vergleichsweise spät. Die Vorhut bildete ein adulter Vogel am 13. Dezember bei Nörten-Hardenberg. An Heiligabend folgte eine Familie mit Jungvogel. Bis Mitte Januar stieg die Singschwan-Zahl auf 20 an, wobei es bei dem einen Jungvogel blieb. Neben traditionellen Überwinterungsplätzen im Kreis Northeim wurde auch der Kreis Göttingen besucht. Bis zu fünf Adulte zeigten sich im Januar am Seeburger See. Ein adulter Vogel verbrachte Weihnachten auf der Fulda bei Stauffenberg, wo er sich am 22. Januar erneut blicken ließ. Der Northeimer Jungschwan wurde letztmals am 24. Februar gemeldet, danach zogen die Schwäne ab – mit Ausnahme eines einzelnen Vogels, der über den Berichtszeitraum hinaus verblieb.

Ein einzelner Schwarzschwan (immer derselbe?) vagabundierte bis zum 24. Januar durch die Region. Zuletzt saß er am verbleibenden offenen Wasserloch des zugefrorenen Seeburger Sees. Am 25. Januar lag er dort tot auf dem Eis, wie später auch zwei Höckerschwäne. Möglicherweise Vogelgrippe-Opfer? Das Veterinäramt wurde informiert.
Kanadagänse streiften zu zweien oder allein durch die Region. Mehr als drei gab es diesen Winter zu keiner Zeit.
Wie „poor lonesome cowboys“ traten Weißwangengänse durchweg einzeln auf, jedoch waren sie der Gesellschaft anderer Gänsearten durchaus nicht abgeneigt.
Maximal 2800 Tundrasaatgänse am 26. Dezember und 700 Blässgänse am 10. Februar wurden am traditionellen Schlafplatz an der Geschiebesperre Hollenstedt notiert. Der größte Blässgans-Trupp umfasste mindestens 1500 Vögel, im Leinepolder Salzderhelden (24. Februar).
Altbekannt war auch „unser“ schwedisches Zwerggans-Paar, „N6/N“ und „G0WA“ (Titelbild). Vom 15. bis zum 26. Februar hielten sich die beiden unter Blässgänsen im Seeanger auf, bereits im dritten Folgewinter. Den Sommer hatten die beiden wieder in ihrer schwedischen Heimat verbracht, wo sie zuletzt am Mauserplatz in Hudiksvall am 20. August gemeldet wurden. Dieser Mauserplatz ist kein rauer Fjord, sondern ein Park in der Stadt. Dass die Gänse trotz aller Spaziergänger dorthin kommen, ist kein Wunder. Der Park ist einer der wenigen Orte in Schweden, an dem sie vor jagenden Seeadlern sicher sind. Nach ihrem Winterausflug zu uns sind die zwei übrigens wieder dorthin zurückgeflogen; am 7. Mai wurden sie in der Nähe Hudiksvall gesichtet. Wer die beiden bei uns noch immer nicht bewundern konnte, im nächsten Winter kommen die treuen Seelen mit Sicherheit erneut zu uns, eventuell ja dann mal mit Nachwuchs.
Am 17. Januar wurde eine adulte Kurzschnabelgans von einem scharfäugigen Beobachter bei Hollenstedt in der Feldmark aufgespürt. Ob der Vogel länger da war, ist nicht klar. Weitere Meldungen gab es nicht.
Im Levinpark kam es trotz Kälte und Schnee zu tief-winterlichen Nilgans-Bruten. Wie leider abzusehen war, ohne „Happy End“. Nachdem zunächst eine sehr aggressive Nilgans auf ein Brutgeschehen hindeutete, tauchten an den ersten beiden Februartagen sechs Pulli auf, die bereits etwa zwei Wochen alt waren. Am 7. Februar waren es nur noch zwei. Am 10. Februar erschien dann plötzlich ein einzelner, frisch geschlüpfter Pullus. Aber bereits zwei Tage später war das ganze Treiben leider schon wieder vorbei. Von da ab war kein Nilgans-Nachwuchs mehr zu sehen.
Rostgänse traten mehrfach einzeln auf. Zu Weihnachten gab es dann bis zu sechs am Seeburger See. Eine von ihnen war mit einem Züchterring markiert. Diese verblieb allein als der See zunehmend zufror. Am 3. Januar wurde diese Ringträgerin letztmalig notiert.
Am 14. Februar besuchten vier Brandgänse die Kiesgrube Reinshof. An der Northeimer Seenplatte verweilte anschließend ein Quartett, das sich gelegentlich zu einem Quintett erweiterte.

Der im Vorbericht erwähnte Schnatterenten-Boom am Seeburger See dauerte weiter an. Maximal wurden dort 306 Vögel am 5. Dezember gemeldet, wobei die Zahl nach Gefrieren des Sees kontinuierlich auf etwa 50 Vögel sank. Ähnlich verhielt es sich dort mit der Löffelente. An Heiligabend waren es noch 87 der auf Plattdeutsch lautmalerisch Lepelaant oder Slubbaant genannten Vögel. Am 10. Januar war dann nur noch eine einzelne „Schlürfente“ anwesend.
Krickenten und Spießenten erreichten ihre Maxima (mindestens 400 bzw. 50 Vögel) im Leinepolder Ende Februar mit einsetzendem Heimzug, zeitgleich und am selben Ort mit Tafelenten und Reiherenten (bis zu 250 bzw. 500 Vögel).
Wie in den Vorjahren, versteckte sich unter den Reiherenten ein weiterer alter Bekannter, der uns seit vielen Wintern besucht, unser adulter Tafel- x Reiherenten-Hybrid-Erpel. Am 2. Dezember wurde er erneut am Seeburger See entdeckt. Mit Zufrieren des Sees wechselte er Anfang Januar auf den Northeimer Freizeitsee, bevor er zwei Wochen später unsere Region (erst einmal) verließ. Dass diese treue Seele immer derselbe Vogel ist, ist selbstverständlich nur eine Vermutung. Der Vogel ist unberingt, und somit nicht individuell erkenntlich, aber häufig sind diese Hybriden nicht.
Mit seinem grauen Rücken mag das Tafel- x Reiherenten-Hybrid-Männchen auf den ersten Blick Bergenten-ähnlich wirken, es verrät seine Abstammung aber unter anderem durch seinen violett glänzenden Kopf mit angedeutetem Schopf und seine ausgedehnt schwarze Schnabelspitze.
Auf dem Freizeitsee ließ sich auch ein adultes Bergenten-Männchen bewundern, allerdings erst einen Monat später, ab dem 14. Februar. Ihm schloss sich elf Tage später ein vorjähriges Männchen an, wobei dieses Duo bis Ende Februar blieb.
Auch Samtenten-Besuch gab es am Freizeitsee, ab dem 11. Januar, von zwei vorjährigen Männchen. Eines der beiden verabschiedete sich zum Monatswechsel, während das andere bis zum 28. Februar aushielt.
Das Zwergsäger-Maximum des Winters waren mindestens 35 Vögel, am 17. Januar am Freizeitsee.
Gänsesäger wurden maximal auf 50 Vögel geschätzt (15. Februar, ebendort).
Komplettiert wurde die Gattung Mergus durch einen Mittelsäger. Am 14. Dezember zeigte sich ein adultes Männchen auf dem Seeburger See.
Mit dem winterlichen Kälteeinbruch kam es am Seeburger See zu einem regelrechten Wasserrallen-Gewusel. Bis zu mindestens 10 Vögel tummelten sich am Isang-Parkplatz in den noch eisfreien Gräben, wo sich einer dieser angelscheinlosen Nahrungsopportunisten beim erfolgreichen Fischen von einem Fotografen ertappen ließ. Mit dem Zufrieren der Gräben war das Spektakel vorbei – bleibt zu hoffen, dass die Kälteflucht der Vögel weitgehend verlustfrei verlief.

Das Blässhuhn schien da resistenter, viele Vögel blieben trotz Kälte, ungeachtet einiger Ausfälle. Die Maximalzahl wurde am 17. Januar gemeldet, da versammelten sich mindestens 750 dieser Rallen an noch freien Wasserstellen auf dem Freizeitsee. Wie das Teichhuhn über den Winter gekommen ist, ist noch nicht klar; bleibt abzuwarten, was das Frühjahr ergibt.
Kranich-Meldungen gab es im Dezember und Januar jeweils so um die 50, späte Wegzügler und dann etliche durchziehende Winterflüchter. Wie gewohnt setzte der Heimzug trotz Frost Anfang Februar ein mit, über den Monat verteilt, 566 gemeldeten Rufern bzw.Trupps.
Am 4. Februar tummelten sich mindestens 30 Zwergtaucher auf der Ruhme beim Freizeitsee, jedes eisfreie Wasserloch schien Zwergtaucher-besetzt.
Auch zwei Haubentaucher fischten dort, neben 46 Vögeln auf dem Freizeitsee – das gemeldete Wintermaximum für diese Art.
Ab dem 10. Dezember schwamm auf dem Freizeitsee auch ein Rothalstaucher, der bis zum 11. Januar dort blieb.
Den Seeburger See wiederum besuchten Schwarzhalstaucher am 1. und 2. Dezember. Am ersten Tag wurden zwei gemeldet, am zweiten Tag dann vier.
Überwinterungsversuche von Kiebitzen an der Geschiebesperre Hollenstedt waren diesen Winter nicht von Dauer. Am 26. Dezember waren noch vier Kiebitze dort, am 5. Januar dann nur noch einer, der am 19. Januar letztmals gemeldet wurde. Trotz anhaltender Kälte setzte der Kiebitz-Heimzug termingerecht ein, in der zweiten Februar-Pentade. Am 9. Februar wurden beträchtliche 1081 auf einem Foto ausgezählte Vögel verzeichnet, die bei Hollenstedt nach Norden zogen. Auch zwei Tage später weilten dort grob 1000 Vögel, eventuell kam der große Schwarm wetterbedingt wieder zurück. Auch nach zwei weiteren Tagen schien der Schwarm noch vor Ort, jetzt saßen mindestens 850 Vögel auf Eis, auf dem Freizeitsee. Die größte Heimzügler-Ansammlung waren 1800 Vögel am 24. Februar im Leinepolder, wobei die Zahl nur grob geschätzt werden konnte, da ständig Heimzügler-Trupps aus Süden hinzukamen beziehungsweise nach Norden abgezogen sind.
Unter dieser Kiebitz-Ansammlung befanden sich 24 Goldregenpfeifer – das war im Berichtszeitraum dann auch schon das „größte“ Heimzügler-Grüppchen dieser charismatischen Vogelart.
Waldschnepfen wurden acht gemeldet, inklusive einer frischen Rupfung, die am 28. Dezember bei Jühnde gefunden wurde.
Einer einzelnen Zwergschnepfe ist es wohl gelungen, am Freizeitsee durchgehend zu überwintern. Zwei weitere, fliegende Artgenossen gerieten im Seeanger am 26. Februar in den Blick.
Durchgehende Überwinterungen von zwei Bekassinen und zwei Waldwasserläufern erfolgten wieder an der Geschiebesperre Hollenstedt.Zwei Silbermöwen wurden gemeldet, eine adulte am Seeburger See am 2. Dezember gefolgt von einer vorjährigen am 11. und 12. Januar am Freizeitsee.
Das Gros der Großmöwen bildeten Steppenmöwen, mit 48 Meldungen, über jeweils bis zu zehn Vögel.
Auch von der Mittelmeermöwe liegen beachtliche zehn Meldungen vor, die jedoch mehrheitlich einen einzelnen, am Freizeitsee ausharrenden Altvogel betreffen.

Ein diesjähriger Prachttaucher besuchte den Freizeitsee zwischen 1. und 10. Dezember.
Am 15. Dezember zeigte sich ein ebenfalls junger Sterntaucher kurz auf dem Seeburger See.
Die bereits aus dem Vorbericht altbekannte adulte Zwergscharbe blieb dem Seeburger See bis zum 26. Dezember treu. An jenem Tag war der See bereits weitgehend vereist. Drei Tage später tauchte an der Kiesgrube Reinshof überraschend eine Zwergscharbe auf, sicherlich derselbe Vogel. Dort wurde die Scharbe zuletzt am 29. Januar gesichtet, mit dem Beobachtungsvermerk „Kiesgrube bis auf den westlichen Rand zugefroren. In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden.“ Die frostige Prognose hat sich dann erfüllt, fünf Tage später war die kleine Scharbe leider weg.

Ein zumindest von Vogelbeobachtern gerngesehener Gast und das schon seit neun Jahren ist der blau beringte Kormoran mit der Kennung 2R8 – im Jahr 2017 auf der Insel Heuwiese bei Rügen erbrütet. In diesem Jahr hielt er sich mindestens zwischen 15. Dezember und 3. Januar am Auge des Eichsfelds auf.
Einzelne Rohrdommeln wurden von Seeanger, Seeburger See und Kiesgrube Reinshof vermeldet. Letzterer Vogel ließ sich recht verlässlich vom 31. Dezember bis zum 17. Februar bewundern, was eine erfolgreiche Überwinterung signalisiert.
Größere Silberreiher-Ansammlungen gab es während der Kälteperiode im Northeimer Raum, mit bis zu etwa 50 Vögeln.
Eisvögel hatten es spätestens ab Mitte Januar nicht leicht mit dem Wetter. Als Folge ist es bei dieser Art offensichtilich zu größeren Winterverlusten gekommen. Mehr dazu sicher im nächsten Sammelbericht.
Kornweihen wurden 46-mal gemeldet, darunter ein Goldammer-jagender Vogel in Göttingen Weende.
Das bekannte Seeadler-Paar überwinterte erfolgreich im Northeimer Raum. ein immaturer Seeadler zog am 25. Dezember bei Hann. Münden nach Südwest, und am 10. Januar saß ein Altvogel auf dem Eis auf dem Seeburger See. Letzterer hat am Folgetag im Seeanger einen Rotfuchs attackiert, ein Nahrungskonkurrent, dem er wohl seine Beute abspenstig machen wollte.

Der einzige Raufußbussard des Winters zeigte sich am 24. Januar im Leinepolder Salzderhelden.
Merlin-Meldungen gab es vier, darunter ein Finken-jagender bei Esebeck und ein Drossel-jagender bei Nikolausberg.
Schleiereulen dürften deutliche Winterverluste erlitten haben. Winternachweise der Art gab es nur zwei, davon einer indirekt, mittels frischer Schleiereulen-Gewölle.
Balzende Uhus wurden an mehr als zehn verschiedenen Orten in Südniedersachsen vermeldet, darunter wieder ein Vogel im Göttinger Stadtgebiet. Dieser hielt sich gerne im Gebiet zwischen Kiessee und Kasseler Landstraße auf, wo er zum Beispiel auf der Antenne der Polizeiinspektion Göttingen am Abend des 15. Januar eine Zeit lang sang. Nach dem 3. Februar wurde das Männchen nicht mehr für das Stadtgebiet gemeldet. Im Göttinger Wald in der Nähe der Panzerstraße zum Kerstlingeröder Feld wurde dann schließlich ein Vogel gehört. Ob es sich dabei um den „Stadt-Uhu“ gehandelt hat, bleibt unbekannt.
Sichtungen einzelner Sumpfohreulen gelangen bei Gleichen am 1. Januar und am Freizeitsee am 4. Januar.
Die Meldungen von winterlichen Raubwürgern-Beobachtungen betreffen nur insgesamt sechs verschiedene Vögel in der Leineniederung bei Northeim, westlich von Hetjershausen, am Diemardener Berg, an der Langen Bahn im Bramwald, bei Ischenrode und bei Deppoldshausen.
Das Ergebnis der winterlichen Corviden-Zählung lag voll im Rahmen der letzten Jahre: 7962 Rabenkrähen (2024: 7881 Ind.) und 1209 Dohlen (2025: 1253 Ind.).
Saatkrähen sind unter den anderen Rabenvögeln in diesem Jahr nicht aufgefallen. Ansonsten war die Art den Winter über wieder nur selten vertreten mit ein bis zwei Vögeln von Dezember bis in den Februar im Göttinger Süden und vier Vögeln am 6. Dezember am Großen Freizeitsee bei Northeim.
Bis zum Heiligen Abend konnten im Seeanger Bartmeisen beobachtet werden. Ihre Maximalzahl lag bei sechs (4. Dezember).
Der Heimzug der Heidelerche setzte regional am 8. Februar zusammen mit Feldlerchen über dem Seeanger ein. Der größte Trupp mit zwölf Vögeln wurde dann am 27. Februar bei Meensen notiert.

Zwölfmal wurde bei Schwanzmeisen genauer hingeschaut und die Nominatform A. c. caudatus festgestellt. Der größte Trupp der nordischen Schwanzmeisen wurde mit sieben Individuen am 30. November an der Kiessgrube Reinshof festgestellt. Das ist nur ein kleiner Abklatsch des massiven Einflugs der Unterart in diesem Winter, mit grob 2600 Individuen deutschlandweit.
Geimeinsam mit zehn normalen Zilpzalpen hielt sich am 19. Dezember ein Taigazilpzalp der ostpaläarktischen Unterart ssp. tristis an der Leine bei Bovenden auf und wurde dort beringt.
Der wohl größte Staren-Schlafplatz der Region befand sich zwischen einem Wohngebiet im Göttinger Stadtteil Grone und dem angrenzenden Industriegebiet. Hier nächtigten gegen Winterende am 25. Februar bis zu 12.000 Vögel in einem Bambusgehölz. Vor dem fast lautlosen Einflug in den Bambus sammelten sich die Vogelmassen an der nahegelegen Stromtrasse. Im Leinepolder bei Salzderhelden waren um diese Zeit herum dagegen nur spärliche 1.200 Stare unterwegs.

Der Durchzug von Rotdrosseln war mit über 120 Einträgen ordentlich. Größere Trupps gab es dann zu Beginn der Heimzugsaison ab Mitte Februar.
Hotspot für überwinternde Schwarzkehlchen war wieder einmal der Göttinger Süden, vermutlich wegen der dort recht hohen Beobachtungsaktivität. Weitere dieser hartgesottenen Winzlinge gab es östlich von Duderstadt, bei Ebergötzen und in der Feldmark zwischen Wollbrandshausen und Gieboldehausen.
Zweistellig wurde die Zahl der Beobachtungen von Feldsperlingen nur an zwei Orten: bis zu 12 Individuen am 13. Januar und 30. Januar bei Wiebrechtshausen und bis zu 32 Individuen Ind. am 27. Januar und 7. Februar bei Eberhausen. Möglicherweise handelte es sich um Wintergäste deren Brutgebiete weiter nördlich oder östlich liegen.
Bergpieper bleiben weiterhin selten: Die Beobachtungen beziehen sich auf wahrscheinlich nur eine Handvoll Vögel an der Geschiebesperre, am Freizeitsee und im Leinepolder.
Größere Ansammlungen Bergfinken gab es bei Eberhausen (6. Dezember, ≥42 Ind.) im Umfeld der Denkershäuser Teiche (24. Dezember, ≥170 Ind.), und am Rand des Göttinger Waldes (11. Januar, ≥100 Ind.). Nichts deutete auf einen größeren Schlafplatz dieser Art in der Region hin.
Die meisten Bluthänflinge gab es in der Feldmark Geismar auf Blühstreifen des Rebhuhnprojektes. Bis zu 433 waren es am 24. Januar und mehr als 72 bei Deiderode.
Beim Wintervorkommen vom Girlitz hat sich der Abwärtstrend der letzten Jahre fortgesetzt und tatsächlich den Nullpunkt erreicht.
Dagegen sah es bei der Grauammer viel besser aus: sie wurden ab Anfang Januar immer wieder mit großen Trupps von Goldammern entdeckt.

In Gö.‑Weende verweilten bis zu neun Grauammern in einem gigantischen Winterschwarm von rund 2.000 (!) Goldammern. An der Wetterstation Göttingen‑Geismar befanden sich acht Grauammern unter etwa 700 Goldammern – geringere Zahlen, höherer Proporz. An beiden Orten haben sich neben Grauammern auch Bergfinken und Rohrammern in den Goldammer-Schwärmen versteckt.
Die größte Ansammlung außerhalb des Göttinger Stadtgebiets bestand aus geschätzten 100 Goldammern bei Hohnstedt.

Mit einem großen Dank an alle Beobachterinnen und Beobachter für die 24.456 Datensätze auf ornitho.de schließt dieser Sammelbericht.
Mathias Siebner und Martin Göpfert
