Vögel, die auf Balken stehen

Wasser, sagt man, hat keine Balken. Aber stimmt das eigentlich? Am Göttinger Kiessee herrscht endlich Klarheit. Seit dem Frühjahr 2016 ist das Gewässer um eine Attraktion reicher. Nach einer Vereinbarung zwischen Naturschützern, Stadtverwaltung und Wassersportlern wurden Baumstämme zu Wasser gelassen und am Grund verankert. Sie dienen einerseits als „Wellenbrecher“ zum Schutz des Röhrichts an der Ost- und Südseite, an anderer Stelle als Barrieren, die das Umfahren der Vogelschutzinsel mit Booten verhindern sollen. Bei den Baumstämmen handelt es sich um die Reste der gefällten Robinien aus der Groner Straße im Stadtzentrum, die nach ihrer Sanierung in steriler Tristesse mit immer mehr Leerstand vor sich hin vegetiert. Die schrundige Oberfläche weiterlesen Vögel, die auf Balken stehen

Das Landesturnfest 2016 – ein Erlebnis der besonderen Art am Göttinger Kiessee

Massenevents sind heutzutage durchaus populär und auch legitim, um viele Menschen zu unterhalten und dies mit einem Hobby wie dem Ausüben einer Sportart zu verbinden. Leider wird hierbei nicht immer Rücksicht auf die Natur und ihre Bewohner genommen. Dies war auch beim so genannten „Erlebnis Turnfest“ der Fall, das vom 23. bis 26. Juni mit ca. 20.000 Aktiven und (angeblich) 250.000 Besuchern in Göttingen stattgefunden hat. Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag dabei am Kiessee und seiner Umgebung in einem Landschaftsschutzgebiet. Ursprünglich war die Veranstaltung für den Mai 2016 geplant. An der West- und Ostseite des Kiessees sollten zwei Bühnen errichtet werden, von denen man über einen Ponton übers weiterlesen Das Landesturnfest 2016 – ein Erlebnis der besonderen Art am Göttinger Kiessee

Naturschutz und Freizeitnutzung am Göttinger Kiessee: ein Schritt vorwärts, zwei zurück?

Nach mitunter zähen Verhandlungen konnte unter Vermittlung des früheren Oberbürgermeisters W. Meyer eine Vereinbarung zur zukünftigen Nutzung des Kiessees geschlossen werden (zum Vorverständnis siehe hier). Unterzeichner sind: Stadt Göttingen, Dezernat Bauen und Umwelt (Herr Dienberg), Göttinger Sport und Freizeit GmbH (Herr Frey), Wassersportverein TWG (Herr Hammel), Universitätssport (Herr Bauer), Naturschutzbeauftragte der Stadt (Frau Walbrun), Biologische Schutzgemeinschaft (Herr Joger) und Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (Herren Dörrie und Otten). Die Vereinbarung vom 17. Juli 2015 lautet wie folgt: 1) “Der Trainingsbetrieb im Winter wird in der Zeit vom 01.11. bis 15.03. eines jeden Jahres auf dem nördlichen Teil des Sees auf einer Streckenlänge von ca. 500 m ermöglicht.” Damit entsteht in weiterlesen Naturschutz und Freizeitnutzung am Göttinger Kiessee: ein Schritt vorwärts, zwei zurück?

Göttinger Kiessee: Vogelschutz und Wassersport im Clinch

Am 17. Oktober 2014 meldete das „Göttinger Tageblatt“: „Zwei Drachenboote für den Göttinger Kiessee“. Von der lokalen Sparkasse finanziert und mit jeweils 20 Paddlern, einem Trommler und einem Steuermann bestückt, sollen sie 2015 an den Start gehen. Ein Vogelkundler sah darin einen Verstoß gegen die Kiesseeverordnung von 1974 und drohte mit Klage. Die Kiesseeordnung kennen heute zwar nur wenige, gleichwohl ist sie – obwohl in der Vergangenheit permanent gegen sie verstoßen wurde – immer noch in Kraft. Jetzt wurden Stadtverwaltung und Wassersportvereine munter und in der Lokalpresse gab es Leserbriefe hin und her. Am 11. Februar 2015 fand im Neuen Rathaus eine Diskussionsrunde zur Neufassung der Kiesseeordnung statt, weiterlesen Göttinger Kiessee: Vogelschutz und Wassersport im Clinch

Kleine Reiher im Göttinger Süden

In diesem Frühsommer ließen sich innerhalb der drei Wochen nach Pfingsten am Stadtrand und im Umfeld der Stadt drei Reiherarten beobachten, die in unserer Region nur seltene Gäste sind. Erster in der Runde war ein Rallenreiher (Ardeola ralloides) am Göttinger Kiessee. Endeckt wurde der Vogel früh morgens am Samstag, dem 26.06.2012. Schnell wurden weitere heimische Ornithologen alarmiert, da zu befürchten war, dass der bevorstehende Besucheransturm in diesem stadtnahen Erholungsgebiet, den Reiher schnell wieder vertreiben würde. Aber der Vogel trotzte über 10 Tage regem Bootsverkehr im Wasser und ausschweifenden Grillparties am Seeufer. In den ersten Tagen erkundete er dabei den ca. 800 m messenden See und ließ sich an weiterlesen Kleine Reiher im Göttinger Süden

Eisvogel fängt Spitzmaus?

„Fischer sind vielfach langweilige, mürrische, einsiedlerische Gesellen, bei den Tieren sowohl wie bei den Menschen, und das gilt auch für den Eisvogel.“ So sah das zumindest Flöricke im Jahre 1907 [1]. Eisvögel ernähren sich tatsächlich vorwiegend von kleinen Fischen, im Sommerhalbjahr teilweise auch von Insekten [2]. Im Winter jedoch, wenn viele Gewässer zugefroren sind, kommen die Vögel nur schwer an ihre Beute. In harten Wintern wie diesem haben sie es besonders schwer und es kommt zu radikalen Bestandseinbußen, von denen sich lokale Populationen zum Teil erst nach Jahren wieder erholen [3]. Auf ihrer verzweifelten Suche nach eisfreien Gewässern kann man Eisvögel in der Nähe menschlicher Behausungen und sogar weiterlesen Eisvogel fängt Spitzmaus?

Der Eisvogel in Süd-Niedersachsen – ein Torpedo auf Erfolgskurs

Soll man darüber räsonieren, dass es sich der NABU mit dem Vogel des Jahres 2009 wieder einmal recht einfach gemacht hat? Wären, nur als Beispiel, Habicht und Kolkrabe nicht bessere Kandidaten gewesen? Beide geraten zunehmend ins Visier hasserfüllter Interessengruppen und sind massiven illegalen Verfolgungen ausgesetzt. Dem anachronistischen, aber äußerst vitalen Gedankengut, das Vogelarten in nützlich und schädlich selektiert, kommt man nicht bei, wenn Jahr für Jahr konsensfähige Sympathieträger präsentiert werden. Wie auch immer: Die Wahl des Eisvogels (Alcedo atthis) zum gefiederten Jahresemblem – er durfte sich bereits 1973 dieser Ehrung erfreuen – kann zum Anlass genommen werden, seine Naturgeschichte in unserer Region nachzuzeichnen. Historische Bestandsentwicklung Das waldreiche niedersächsische weiterlesen Der Eisvogel in Süd-Niedersachsen – ein Torpedo auf Erfolgskurs

Neues von unerwünschten Fischfressern und pelzigen Neubürgern

Was im milden Winter 2006 begonnen hatte, setzte sich im Folgejahr 2007 fort: Kormorane richten sich außerhalb der Brutzeit vermehrt am Göttinger Kiessee ein und weißeln mit ihrem Kot die Bäume auf der kleinen Insel. In den Vorjahren traten sie in Göttingen zumeist erst nach dem Zufrieren der Stillgewässer und eher spärlich in Erscheinung, vor allem an der Leine zwischen Sandweg und Rosdorfer Weg sowie nahe der Stegemühle.Im November 2007 stiegen die Zahlen wiederum auf bis zu 55 Individuen. Die Herausbildung einer Rast- und Überwinterungstradition an der Peripherie des städtischen Siedlungsbereichs könnte mit den steigenden Abschüssen an Werra und Rhume zusammenhängen, die allein im Jahr 2005 57 Kormoranen weiterlesen Neues von unerwünschten Fischfressern und pelzigen Neubürgern

Hilfe, mein See hat Fieber!

Kommentar. Seit der grausamen Niederwerfung aufständischer Bauern vor fast 500 Jahren lastet auf dem Eichsfeld ein dumpfes Brüten. Sicher: Veränderungen gibt es selbst hier. Die Omnipotenz des Mainzer Erzbischofs hat dem alles beherrschenden Einfluss eines global operierenden Unternehmers im Prothesengewerbe Platz gemacht. Die Menschen dürfen zur Wahl gehen, wissen aber in der Regel schon von Geburt an, welcher Partei sie ihre Stimme zu geben haben. Ab und an wird die Stille des abgeschiedenen Landstrichs durchbrochen – beispielsweise durch den spektakulären Fund eines Kiwiblatts in Duderstadt, das den Umriss einer betenden Mutter Gottes erahnen lässt oder während einer mediokren Opernaufführung an den Gestaden des Seeburger Sees, nicht zu vergessen weiterlesen Hilfe, mein See hat Fieber!

Kiessee Göttingen, Kiesgrube Reinshof und Feldmark Göttingen Geismar

Göttingen wird im Norden und Westen von Schnellstraßen in Kombination mit intensiv bewirtschafteten Agrarflächen eingeschnürt. Im Osten grenzt die Stadt an den Göttinger Wald. Im Süden geht der Siedlungsbereich noch vergleichsweise harmonisch in die offene Landschaft über. Obwohl “Normallandschaft pur” weist der Göttinger Süden eine Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume auf. Knapp 240 Vogelarten wurden bislang im Süden Göttingens nachgewiesen. Diese für einen winzigen Ausschnitt des niedersächsischen Berglands bemerkenswert hohe Zahl zeigt keineswegs eine besondere Attraktivität für Vögel aller Art an, sondern beruht in hohem Maße auf dem engagierten Einsatz lokaler Beobachter. Diese können sich als Bewohner einer Universitätsstadt in einer naturkundlichen Tradition bewegen, die bis zum Ende des 18. weiterlesen Kiessee Göttingen, Kiesgrube Reinshof und Feldmark Göttingen Geismar