Der Vogelwinter 2019/20 in Süd-Niedersachsen – feucht und stürmisch

In einem Eintrag für das Jahr 1808 erzählt Johann Peter Hebel im „Rheinischen Hausfreund“: „Im Jahr 1289, wo man von uns noch nichts wusste, war es so warm, dass die Jungfrauen um Weihnacht und am Dreikönigtag Kränze von Veilchen, Kornblumen und andern trugen“. Heute schmücken sich Mädchen der gehobenen Stände mit putzigen Strickmützen und gehen für Eis und Schnee auf die Straße. Vergebens, denn auch dieser Winter war wärmer als fast alle seiner Vorgänger, zumindest seit dem Beginn regelmäßiger Temperaturmessungen. Frosttage waren absolute Mangelware, Göttinger Kiessee und Seeburger See im Januar jeweils nur tageweise angefroren. Schnee in nennenswerter Menge fiel in den Hochlagen nur Ende Februar (ca. zehn weiterlesen Der Vogelwinter 2019/20 in Süd-Niedersachsen – feucht und stürmisch

Der Vogelwinter 2018/19 in Süd-Niedersachsen: Selten unspektakulär

Als “winterlich” kann der Dezember 2018 fürwahr noch nicht bezeichnet werden, herrschten doch vorrangig milde Temperaturen mit im Mittel 4°C. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schnee waren Mangelware, vielmehr machten vorfrühlingshafte 12°C kurz vor Weihnachten die Hoffnungen auf eine weiße Weihnacht endgültig zunichte. Und der Januar? Zunächst zeichnete sich kein wirklicher Wintereinbruch ab; nachts fiel die Temperatur nicht unter -3°C und tags stieg sie dank stabiler atlantischer Luftströmungen auf bis zu 8°C – durchaus auszuhalten. In der zweiten Januarhälfte erreichte uns dann ein einigermaßen stabiles Hochdruckgebiet und bescherte uns eine sonnige Woche und Dauerfrost mit Temperaturen von bis zu -10°C. Wenngleich nur von kurzer Dauer, so brachte es weiterlesen Der Vogelwinter 2018/19 in Süd-Niedersachsen: Selten unspektakulär

Der Vogelwinter 2017/18 in Süd-Niedersachsen: So weit die Flügel tragen – Besuch aus der Taiga

Im Dezember 2017 und Januar 2018 war es dunkel, sehr dunkel. Und sehr, sehr nass. Nur ganz selten riss, zwischen zwei Regengüssen, das dichte Gewölk auf. Dann klammerten sich blasse Kleinkinder in Panik an ihre Eltern, weil sie plötzlich von einem Feuerball geblendet wurden. Gerüchten zufolge soll es sich dabei um ein Gestirn namens ” Sonne” gehandelt haben. Im Dezember schien sie nur 16 Stunden, im Januar war es ähnlich. Damit wurde der extrem trübe Winter 2012/13 noch unterboten. Was tun? Eine bewährte Antwort auf monatelange Dunkelheit kommt aus Finnland. Sie wird dort “Kalsarikännit” genannt, auf Deutsch ungefähr “sich allein zu Hause in Unterhosen betrinken”. Vermutlich hat sie weiterlesen Der Vogelwinter 2017/18 in Süd-Niedersachsen: So weit die Flügel tragen – Besuch aus der Taiga

Der Vogelwinter 2016/17 in Süd-Niedersachsen: zeitweise kalt und meistens ruhig

Das Winterwetter war geprägt von einem eisigen Januar, der ca. 2°C kälter ausfiel als im Mittel. In den Niederungen fiel jedoch nur wenig Schnee. Die Stillgewässer waren über Wochen zugefroren. Nur der Northeimer Freizeitsee wies einen eisfreien Bereich von nennenswerter Größe auf, an dem sich im Hochwinter mehr als 1000 Wasservögel konzentrierten. In der letzten Februardekade tauten die Gewässer wieder auf, wobei das Orkantief „Thomas“ am 23. des Monats diesen Prozess mit ergiebigen Regenfällen beschleunigte. Um der Wassermassen Herr zu werden, wurde die Leine im Polder 1 bei Salzderhelden schnell angestaut.Anders als im vorangegangenen milden Winter 2015/16 verharrten einige Kurzstreckenzieher dieses Mal in nennenswerter Zahl. Dazu später mehr. weiterlesen Der Vogelwinter 2016/17 in Süd-Niedersachsen: zeitweise kalt und meistens ruhig

Der Vogelwinter 2015/16 in Süd-Niedersachsen – mild, kaum Schnee und ein kaltes Intermezzo

Mit 5,6°C über dem langjährigen Mittel war der Dezember 2015 der wärmste und zweitsonnigste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen 1881. Auch der Januar 2016 gestaltete sich mild, zumindest in seiner ersten Hälfte. Später ließen Nachtfröste mit bis zu -17°C viele kleinere Stillgewässer vereisen. Der Northeimer Freizeitsee war jedoch niemals komplett zugefroren und wurde zum Magnet für Wasservögel. Im Februar dominierten wieder, in Kombination mit hohen Niederschlägen, milde Temperaturen. Zum Ende des Monats waren weite Flächen im Leinepolder Salzderhelden flach überstaut. Wer nun, animiert von den Schlagzeilen der Tagespresse, gedacht hatte, dass in unserer Region „die Vogelwelt in diesem Winter verrückt spielt“, „die Zugvögel hier bleiben“ und ähnliches mehr, weiterlesen Der Vogelwinter 2015/16 in Süd-Niedersachsen – mild, kaum Schnee und ein kaltes Intermezzo

Total normal – der Vogelwinter 2014/15 in Süd-Niedersachsen

Dezember und Januar gestalteten sich weithin mild und schneearm. Kurz nach dem Jahreswechsel kam es im Leinepolder Salzderhelden zu einem Anstau, der zahllosen Kleinsäugern den Garaus machte und das Nahrungsangebot für einige Großvogelarten paradiesisch anschwellen ließ. Anfang und Ende Februar stellte sich für kurze Zeit Winterstimmung ein. Einige Stillgewässer, darunter der Seeburger See und der Göttinger Kiessee, waren zeitweise vereist, aber niemals komplett. Für ausharrende Wasservögel war dies von großem Vorteil, weil es ihnen die durchgehende Überwinterung ermöglichte.Im Tunnelblick von Vogelbeobachtern gelten normale bis milde Winter gemeinhin als langweilig, weil an den meisten Tagen immer dieselben Vögel zu beobachten sind. Gleichwohl gibt es einiges zu vermelden, darunter auch weiterlesen Total normal – der Vogelwinter 2014/15 in Süd-Niedersachsen

Der Vogelwinter 2013/14 in Süd-Niedersachsen: Endlich mal einer der milden Sorte

Von Dezember bis Februar dominierten atlantische Tiefausläufer mit stürmischen Komponenten das Wettergeschehen. Am 5. Dezember 2013 tobte Orkan „Xaver“ über Deutschland, machte sich aber, wie sein Vorläufer „Christian“ im Oktober, in der Region nur abgeschwächt bemerkbar. Ende Januar setzte für knapp zwei Wochen eine winterliche Phase mit Frosttagen und Schneefall ein. In dieser Zeit froren einige Stillgewässer, darunter der Seeburger See, zu. Danach hielt vorfrühlingsartiges Wetter Einzug. Aktuell deutet nichts auf einen späten Wintereinbruch. Für normale Menschen und ihre gefiederten Freunde ist dies sicher eine Wohltat, weniger jedoch für besonders ambitionierte Vogelbeobachter, denn milde Winter verlaufen zumeist ereignisarm… In der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck überwinterten um die weiterlesen Der Vogelwinter 2013/14 in Süd-Niedersachsen: Endlich mal einer der milden Sorte

Grau in grau – der Vogelwinter 2012/2013 in Süd-Niedersachsen

„Gott! Welch Dunkel hier“ singt der edle Florestan in Beethovens Oper „Fidelio“. Und seit jeher witzeln respektlose Spötter, dass ihm diese Widrigkeit in zwei Jahren unterirdischer Kerkerhaft auch schon früher hätte auffallen können. Die triste Realität des vergangenen Winters hingegen entzieht sich jeder abgeschmackten Sottise: Mit gerade mal 80 Sonnenstunden von Dezember bis Februar war er der dunkelste seit 86 Jahren.Einem frühen Kälteeinbruch mit Schneefall Anfang Dezember folgte, ein frühlingshaftes Intermezzo zum Ende des Monats inbegriffen, bis in den Ausklang des Februars mäßig kaltes Winterwetter, das einige Stillgewässer zumindest phasenweise zufrieren ließ. Verglichen mit den letzten Jahren gestalteten sich die Überlebenschancen für Eisvogel und Co. aber deutlich besser. weiterlesen Grau in grau – der Vogelwinter 2012/2013 in Süd-Niedersachsen

Der Vogelwinter Dezember 2011 bis Februar 2012 in Süd-Niedersachsen – ein Kontrastprogramm in zwei Akten

Das Jahr 2011 ging mit einem ungewöhnlich milden Dezember zu Ende. Diesem folgte ein weithin ebenso milder Januar 2012. Zum Ende des Monats setzte jedoch eine ca. dreiwöchige Periode klirrenden Dauerfrosts ein, die in Windeseile alle Stillgewässer zum Zufrieren brachte, die großen und tiefen Kiesgruben eingeschlossen. Die Februartemperaturen lagen 3 bis 5°C unter dem langjährigen Mittel. Damit war dieser Monat der kälteste seiner Art seit 26 Jahren. Von der Vereisung waren auch große Wasserflächen im Leinepolder Salzderhelden betroffen, die nach einem Anstau Anfang Januar entstanden waren und auch wegen ihres reichen Angebots an ertrunkenen Kleinsäugern eine Attraktion für viele Vögel darstellten. Nennenswerter Zuzug überwinternder Höckerschwäne erfolgte erst nach weiterlesen Der Vogelwinter Dezember 2011 bis Februar 2012 in Süd-Niedersachsen – ein Kontrastprogramm in zwei Akten

Temperaturen auf der Achterbahn – der Vogelwinter 2010/2011 in Süd-Niedersachsen

March 14th, 2011 Der dritte Kältewinter in Folge setzte bereits Ende November mit einem massiven Kälteeinbruch und heftigen Schneefällen ein. Mit 30 Frosttagen und bis zu 40 cm Schneehöhe auch in den Tieflagen war der Dezember 2010 der kälteste und schneereichste seit 40 Jahren. Der Januar hingegen zeichnete sich im wesentlichen durch milde Temperaturen aus und war vermutlich wieder mal „zu warm“. Das Tauwetter zum Monatsanfang brachte Hochwasser und einen Volleinstau des Leinepolders Salzderhelden. Im Februar lösten sich kalte und milde Perioden ab. Mäßiger Nachtfrost sorgte dafür, dass Anfang März viele Stillgewässer noch ganz oder teilweise zugefroren waren. Mit bis zu 90 Ind. lag der Winterbestand des Höckerschwans weiterlesen Temperaturen auf der Achterbahn – der Vogelwinter 2010/2011 in Süd-Niedersachsen

Der Winter 2009/2010 oder: Wenn Niedersachsens südlicher Zipfel zum Eiszapfen gefriert

Der Januar 2010 war der wärmste oder zweitwärmste seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen (WetterOnline-Forum vom 5.2.). Wie bitte? Durchgeknallt, oder was? Von wegen: Global betrachtet trifft diese für unsere Breiten grotesk anmutende Aussage durchaus zu. Das pazifische Wetterphänomen “El Niño” drückte sich in einer starken Erwärmung des Meerwassers aus, während sich gleichzeitig als Antipode ein zähes Kältetief über dem Nordatlantik festsetzte. Auf der südlichen Halbkugel war es mithin viel zu warm, auf der nördlichen dagegen saukalt. Wenn man die extremen Temperaturunterschiede zum Jahresbeginn 2010 wie in einem Cocktailschwenker schüttelt (oder verrührt, das ist in diesem Fall egal!), kommt als Ergebnis ein Global-Durchschnittswert heraus, der über dem langjährigen Mittel liegt. weiterlesen Der Winter 2009/2010 oder: Wenn Niedersachsens südlicher Zipfel zum Eiszapfen gefriert

Vom Leben und Sterben in Eis und Schnee – der Winter 2009 in Süd-Niedersachsen

Der Winter 2009 war einer der härtesten der jüngeren Regionalgeschichte und machte den südlichen Landeszipfel zum Kältepol Niedersachsens. Zwar fiel er nicht besonders schneereich aus, doch sorgte eine ab dem 31.12.2008 über 15 Tage anhaltende Periode strengen Dauerfrosts mit Nachttemperaturen von bis zu – 24°C dafür, dass sogar die Leine stellenweise zugefroren war. Die Geschiebesperre Hollenstedt war bis auf das schmale Flussbett mit einem dicken Eispanzer bedeckt, ebenso alle Stillgewässer. Am Göttinger Kiessee blieben wegen des Leine-Zulaufs selbst auf dem Höhepunkt der Kältewelle noch ca. 250 m² eisfrei und ermöglichten damit einigen Wasservögeln das Überleben.Mit Sicherheit war dieser Kältewinter, trotz langsam steigender Jahresdurchschnittstemperaturen, aber nicht der letzte und weiterlesen Vom Leben und Sterben in Eis und Schnee – der Winter 2009 in Süd-Niedersachsen