Wenig Neues unter der Sonne: Späte Brutzeit und Wegzug, August bis Dezember 2009

Am 8.11. und vom 16. bis 29.11. gerieten am Seeburger See diesjährige Sterntaucher ins Visier. An den Northeimer Kiesteichen und an der Kiesgrube Reinshof hielt sich vom 15. bis 22.11. bzw. vom 19. bis 25.11. je ein Prachttaucher auf. An der Leine am südlichen Göttinger Stadtrand betrug der traditionelle Rastbestand des Zwergtauchers nicht mehr als sechs Ind. und lag damit um 50 Prozent unter den langjährig ermittelten Zahlen. Dies könnte mit dem gebietsweise strengen Winter 2008/2009 zusammenhängen, der für erhebliche Verluste bei dieser empfindlichen Art gesorgt hat. Am Göttinger Kiessee fiel der Ausfliegerfolg von vier Haubentaucher-Paaren wiederum sehr mäßig aus: Nur zwei Jungvögel aus einer von drei Bruten Wenig Neues unter der Sonne: Späte Brutzeit und Wegzug, August bis Dezember 2009 weiterlesen

Der Kormoran – Vogel des Jahres 2010 – in Süd-Niedersachsen

Alle Achtung! Der kollektive Wutausbruch der Sportangler-Lobby im Internet und anderswo belegt, dass der NABU mit seiner Wahl richtig gelegen hat. Endlich mal kein konsensfähiger Sympathieträger, an dem sich umtriebige Vogelschützer mit Biotopverbesserungen, Nisthilfen u.ä. abarbeiten können, sondern ein umstrittener „Problemvogel“ im bleihaltigen Spannungsfeld von Naturschutz- und Naturnutzerinteressen. Die Göttinger Vogelkundler haben sich schon immer für den knorrigen Ruderfüßler stark gemacht, zuletzt in der Glosse „Neues von unerwünschten Fischfressern und pelzigen Neubürgern“ vom 27.11.2007 auf dieser Homepage. Der Wahl können sie wärmstens und zudem mit einer gewissen Genugtuung applaudieren. Einst und jetzt Die Naturgeschichte des Kormorans (Phalacrocorax carbo) in unserer Region ist schnell erzählt. Bis zum Beginn der Der Kormoran – Vogel des Jahres 2010 – in Süd-Niedersachsen weiterlesen

Heimzug und Brutzeit 2009: „Die größte Offenbarung ist die Stille“

Auf den harten Winter folgte ein warmer und trockener April, der Mai war von keinerlei Extremen gekennzeichnet, während der Juni immerhin eine ausgeprägte Schafskälte bereithielt. Ähnlich unspektakulär gestaltete sich das Auftreten der Brut- und Gastvögel. Für Vogelbeobachter, die unter Bluthochdruck oder jäh einsetzenden Erregungszuständen leiden, waren Frühling und Frühsommer 2009 ein wahrer Jungbrunnen. Für alle anderen haben wir zum Trost ein tiefgründiges Lao-Tse-Zitat von zeitloser Gültigkeit in die Überschrift aufgenommen… Ein Seidenreiher beehrte am 14.5. den Seeanger nur kurz. Süd-Niedersachsens erste Kaisergans am 17.5. ebenda war mit Sicherheit kein Klimaflüchtling aus arktischen Gefilden, sondern bereicherte lediglich die regionale Liste von Gefangenschaftsflüchtlingen. In den Vortagen hatte sie sich im Heimzug und Brutzeit 2009: „Die größte Offenbarung ist die Stille“ weiterlesen

10 Jahre Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (AGO): Begrüßung der Festgemeinde am 5. Juni 2009 im Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum

Liebe Anwesende! In nur 10 Jahren, also einer naturgeschichtlichen Millisekunde, können sich im Leben von Vogelpopulationen rasante Veränderungen – zum Guten wie zum Schlechten – vollziehen. Darüber wird G. Brunken später referieren. Sein Beitrag soll in erweiterter Form im nächsten Heft der „Naturkundlichen Berichte…” erscheinen. Zuvor bitte ich um Aufmerksamkeit für einige Anmerkungen zur Bestandsdynamik, ökologischen Nischenbesetzung und reproduktiven Fitness unseres Arbeitskreises im ersten Jahrzehnt seines Bestehens. Vorgeschichte Mit Beginn des Jahres 1990 schlief die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Süd-Niedersachsen (OAG) sanft und unwiderruflich ein. Nur auf der Homepage des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) und im Adressenverzeichnis des „Falke”-Taschenkalenders fristet sie – als Zombie im Karteikartenformat – noch eine schemenhafte 10 Jahre Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (AGO): Begrüßung der Festgemeinde am 5. Juni 2009 im Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum weiterlesen

Das Birdrace 2009 im Göttinger Land

Ist man auf ewig dazu verdammt, in einer trostlosen Wiederholung von Kalamitäten zu vegetieren – gebeutelt von kapitalistischen Krisen, hinters Licht geführt von den Herrschenden, angeekelt vom klebrigen Auswurf der Unterhaltungsindustrie? Und sind es im Grunde nicht immer die gleichen Vogelarten, die als sogenannte Seltenheiten unsere Region beehren? Gibt es wirklich nichts Neues unter der Sonne? Auf diese existentielle Frage hat das in drei Niederlagen gestählte Quartett der “Göttinger Sozialbrachvögel” (Hans H. Dörrie, Christoph Grüneberg, Mathias Siebner und Frontfrau Nikola Vagt) jetzt eine Antwort erhalten. Sie lautet: Nein! Zum ersten Mal wurden wir nämlich nicht gedemütigt! 113 Vogelarten in ca. 18 Stunden sind für einen kleinen Ausschnitt des Das Birdrace 2009 im Göttinger Land weiterlesen

Vom Leben und Sterben in Eis und Schnee – der Winter 2009 in Süd-Niedersachsen

Der Winter 2009 war einer der härtesten der jüngeren Regionalgeschichte und machte den südlichen Landeszipfel zum Kältepol Niedersachsens. Zwar fiel er nicht besonders schneereich aus, doch sorgte eine ab dem 31.12.2008 über 15 Tage anhaltende Periode strengen Dauerfrosts mit Nachttemperaturen von bis zu – 24°C dafür, dass sogar die Leine stellenweise zugefroren war. Die Geschiebesperre Hollenstedt war bis auf das schmale Flussbett mit einem dicken Eispanzer bedeckt, ebenso alle Stillgewässer. Am Göttinger Kiessee blieben wegen des Leine-Zulaufs selbst auf dem Höhepunkt der Kältewelle noch ca. 250 m² eisfrei und ermöglichten damit einigen Wasservögeln das Überleben.Mit Sicherheit war dieser Kältewinter, trotz langsam steigender Jahresdurchschnittstemperaturen, aber nicht der letzte und Vom Leben und Sterben in Eis und Schnee – der Winter 2009 in Süd-Niedersachsen weiterlesen

Rotmilan: Flaggschiff mit Schlagseite

Ein Interview Der Rotmilan ist eine Charaktervogelart der offenen Kulturlandschaft und eine Art mit ganz besonderer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Der AGO-Mitarbeiter Gerd Brunken hat in den zurückliegenden Jahren die Brutbestände dieses eleganten Greifvogels im südlichen Niedersachsen, einem Verbreitungsschwerpunkt der Art, unter die Lupe genommen. Wir sprachen mit ihm über die Ergebnisse seiner Untersuchung. AGO: Herr Brunken, Sie haben sich in den letzten Jahren genauer mit dem Rotmilan in Süd-Niedersachsen beschäftigt. Warum gerade mit dieser Art? G. Brunken: Der Rotmilan ist eine Brutvogelart mit einem kleinen Verbreitungsareal. In Deutschland brütet über die Hälfte der Weltpopulation von insgesamt nur 20.000 bis 25.000 Brutpaaren. Unsere Region gehört zu Rotmilan: Flaggschiff mit Schlagseite weiterlesen

Ab durch die Mitte der Republik: Wegzug Juli – November 2008

Eine Zwergdommel, die sich am 7.8. im Schilfgürtel des Seeburger Sees nur für wenige Sekunden zeigte, trug zur leichten Zunahme der regionalen Nachweise bei. 2007 und 2005 ließ sich diese in ganz Deutschland hochgradig gefährdete kleine Reiherart ebenfalls dort blicken. Die Beobachtungen fielen jedoch allesamt in den Hochsommer oder das Ende der Brutzeit und betrafen unverpaarte Einzelvögel. Die grotesk anmutende „Zutraulichkeit“ einiger junger Schwarzstörche ist in unserer Region mehrfach dokumentiert worden. Besonders krass führte sich ein Jungstorch auf, der sich 2004 bei Volpriehausen mit Schnecken fütterten ließ und sogar bis zur Rezeption im Inneren einer Hotelanlage vordrang. Damit verglichen zeigte der Vogel, der am 6.9. in Lödingsen auf Ab durch die Mitte der Republik: Wegzug Juli – November 2008 weiterlesen

Der Eisvogel in Süd-Niedersachsen – ein Torpedo auf Erfolgskurs

Soll man darüber räsonieren, dass es sich der NABU mit dem Vogel des Jahres 2009 wieder einmal recht einfach gemacht hat? Wären, nur als Beispiel, Habicht und Kolkrabe nicht bessere Kandidaten gewesen? Beide geraten zunehmend ins Visier hasserfüllter Interessengruppen und sind massiven illegalen Verfolgungen ausgesetzt. Dem anachronistischen, aber äußerst vitalen Gedankengut, das Vogelarten in nützlich und schädlich selektiert, kommt man nicht bei, wenn Jahr für Jahr konsensfähige Sympathieträger präsentiert werden. Wie auch immer: Die Wahl des Eisvogels (Alcedo atthis) zum gefiederten Jahresemblem – er durfte sich bereits 1973 dieser Ehrung erfreuen – kann zum Anlass genommen werden, seine Naturgeschichte in unserer Region nachzuzeichnen. Historische Bestandsentwicklung Das waldreiche niedersächsische Der Eisvogel in Süd-Niedersachsen – ein Torpedo auf Erfolgskurs weiterlesen

Die Wachtel in Süd-Niedersachsen und anderswo – Erfolgsgeschichte oder Scheinblüte?

Kommen enigmatische Vogelarten, deren Lebensweise geheimnisumwittert ist, nur in tropischen Regenwäldern oder unzugänglichen Hochtälern der Anden und des Himalaja vor? Keineswegs! Auch unsere extrem erschlossene Nutzlandschaft beherbergt einen gefiederten Leisetreter, der zwar bekannt ist, aber zumeist unsichtbar und kaum erforscht seinen Geschäften nachgeht: die Wachtel (Coturnix coturnix). Ansiedlungs- und Fortpflanzungsstrategie sowie das komplexe Migrationsverhalten dieses faszinierenden Feldbrüters werfen eine Vielzahl von Fragen auf. Verbreitung und langfristige Bestandsentwicklung Im europäischen Maßstab ist die Wachtel mit 2,8 bis 4,7 Millionen „Paaren” (BirdLife International 2004) ein häufiger Brutvogel. Das Gros der kontinentalen Population brütet jedoch in Ost- und Südeuropa. Der niedersächsische Bestand wird für das Jahr 2005 mit 800 rufenden Männchen Die Wachtel in Süd-Niedersachsen und anderswo – Erfolgsgeschichte oder Scheinblüte? weiterlesen

Vom Kühlschrank ins Solarium: Heimzug und Brutzeit in Süd-Niedersachsen, März bis Juni 2008

Das Frühjahr begann mit einem kalten März und Schneefällen bis in die letzte Dekade ausgesprochen ungemütlich. Erst ab Mitte April setzte wärmeres Frühlingswetter ein. Der Mai fiel dagegen überdurchschnittlich warm und außergewöhnlich trocken aus. Im Juni sorgten kurze Regenperioden und vereinzelte Wärmegewitter endlich für die lang ersehnten Niederschläge. Ein Prachttaucher im 2. Kalenderjahr hielt sich am 12.5. auf dem Seeburger See auf. Auf dem Göttinger Kiessee rastete am 25.4. ein Ohrentaucher im Prachtkleid – der erste dort seit 1981. In den Schwanengesang der hinteren Tongrube am Siekgraben bei Rosdorf, die seit dem vergangenen Jahr verfüllt wird, mischte sich ab Mitte April das Balztrillern von Zwergtauchern. Ihnen gelang bis Vom Kühlschrank ins Solarium: Heimzug und Brutzeit in Süd-Niedersachsen, März bis Juni 2008 weiterlesen

Das Birdrace 2008 in Göttingen – ein launiger Rückblick

Einmal im Jahr ergreifen vier sympathische Erfolgstypen (Hans H. Dörrie, Christoph Grüneberg, Mathias Siebner und Nikola Vagt) die Initiative und bieten sich in Gestalt der „Göttinger Sozialbrachvögel“ ehrgeizigen Jungtalenten selbstlos als Projektionsfläche an. Der fernöstlichen Glückskeks-Weisheit „Versuche niemals zu gewinnen, wenn du den Gegner damit kränkst“ verpflichtet, traf sich das alteingesessene Traditionsteam am 3.5. gut ausgeschlafen und ebenso gelaunt um 6.30 Uhr, um danach im dichten Nebel der Leineaue mehr herumzustochern als effizient die Arten abzuhaken. Da waren die ambitionierten, von Silvio Paul, der an diesem Tag umziehen musste, per Handy unterstützten Mitbewerber von „Ave Göttingen!“ (Mischa Drüner, Lisa Hülsmann und Martin Schuck) schon lange auf den Beinen Das Birdrace 2008 in Göttingen – ein launiger Rückblick weiterlesen