Süd-Niedersachsens zweiter Eistaucher : ein kleines Lehrstück für Anfänger (und Fortgeschrittene)

Nach einem total verregneten und deshalb fast „vogelfreien“ Samstag zog es Hans-Jürgen Thorns (Göttingen-Groß Ellershausen) am darauf folgenden Sonntag, dem 14.11.2010 gegen 7.30 Uhr an die Kiesgrube Reinshof südlich von Göttingen. Das Wetter war mit 14°C und einer föhnigen Brise aus Südwest angenehm frühlingshaft. Ein paar Tage zuvor gab es an dem ca. neun Hektar großen Abbaugewässer einen bunten Gänsemix zu sehen, u.a. mit diesjährigen Blässgänsen wie aus dem Bilderbuch. Dieses Mal verlief der Rundgang zunächst eher unspektakulär: Eine Höckerschwan-Familie, ein paar Stockenten, eine Reiherente und zwei Dutzend Blässhühner dominierten das schmale Artenspektrum. Knapp 50 Graugänse, die in kleinen Trupps einflogen, machten viel Lärm um was auch immer. Süd-Niedersachsens zweiter Eistaucher : ein kleines Lehrstück für Anfänger (und Fortgeschrittene) weiterlesen

Brutzeit II und Wegzug 2010 – vogelkundliche Neuigkeiten aus Niedersachsens Boomregion mit Herz!

Weil dieser Bericht ziemlich umfangreich ausfällt, verzichten wir auf ergötzliche Präliminarien und kommen gleich zur Sache. Die Höckerschwan-Brutpaare am Rückhaltebecken Grone und an der alten Rosdorfer Tongrube brachten sechs bzw. fünf Junge zum Ausfliegen. Die Rosdorfer Jungschwäne waren alle von Geburt an weiß gefärbt (sog. immutabilis-Variation). Die anderen drei Göttinger Schwanenpaare (Kiessee, Pfingstanger und Levin-Park) blieben ohne Nachwuchs. Eine für das tiefe Binnenland verdächtig frühe Ringelgans schwamm am 17.10. an der Geschiebesperre Hollenstedt. Herkunft und Unterarten-Status dieses Vogels müssen offen bleiben. Im Leinetal zwischen dem Wendebachstau bei Reinhausen und der Geschiebesperre Hollenstedt flog ab Mitte September eine Kanadagans umher. Diese Gänseart ist, anders als in West- und Süddeutschland, Brutzeit II und Wegzug 2010 – vogelkundliche Neuigkeiten aus Niedersachsens Boomregion mit Herz! weiterlesen

Seidenschwänze – Ansturm der Invasoren?

Während der vergangene Kältewinter ungewöhnlich wenige Seidenschwänze nach Süd-Niedersachsen brachte, könnte es in den kommenden Wochen und Monaten wieder ganz anders aussehen. Seidenschwanz-Invasionen werden im wesentlichen vom mangelnden Nahrungsangebot (z.B. ausbleibende Fruktifikation der Eberesche) im Winter verursacht. Die beerenfressenden Taigavögel sind dann gezwungen, nach Süden auszuweichen. Momentan zeichnet sich ein früher Einflug ab, vor allem an der norddeutschen Küste und auf Helgoland (dort bereits mehr als 100 rekordverdächtige Individuen). Aber auch in Mittelhessen wurden schon einige gesichtet (M. Kraft im German BirdNet). Woher die einfliegenden Vögel stammen ist unklar. Aus Südschweden (Falsterbo) liegen bis dato nur wenige Beobachtungen ziehender Individuen vor. Der bislang stärkste Einflug konnte für den Seidenschwänze – Ansturm der Invasoren? weiterlesen

Der Gartenrotschwanz – Vogel des Jahres 2011 – in Süd-Niedersachsen: eine urbane Randexistenz mit hohen Ansprüchen

Hätte der NABU nach dem gefiederten Angler-Hassobjekt Kormoran (vgl. den Beitrag vom 25.10.2009 auf dieser Homepage) die ähnlich unpopuläre Elster zum „Vogel des Jahres 2011“ küren sollen? Das wäre wohl etwas zuviel verlangt von einem Verband, dem in der Mehrheit gutherzige BeitragszahlerInnen angehören, die ihre Symbiose mit den gefiederten Freunden ohne Ausschüttung von Stresshormonen genießen möchten. Deshalb ist die Wahl eines hübschen Singvogels, an dem sich niemand stört, durchaus nachvollziehbar. Zudem ist der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) aus fachlicher Sicht eine interessante Vogelart, deren Populationsdynamik (auch) in unserer Region viele Fragen aufwirft. Bestand und Bestandsentwicklung Der aktuelle Brutzeitbestand unseres Porträtvogels kann in Süd-Niedersachsen (Landkreise Göttingen und Northeim) auf der Der Gartenrotschwanz – Vogel des Jahres 2011 – in Süd-Niedersachsen: eine urbane Randexistenz mit hohen Ansprüchen weiterlesen

Katastrophen? – Wir warten nur darauf!

Brennende Wälder, von Orkanen leergefegte Höhenzüge, Truppenübungsplätze mit feuerspeienden Panzerverbänden, die Schneisen der Verwüstung hinterlassen, die Mondlandschaften des Braunkohle-Tagebaus: Was der empfindsame Normalbürger zumeist als „Schändung“ und „Zerstörung“ einer vermeintlich „intakten Natur“ wahrnimmt und der Forstwirt oder Waldbesitzer als ökonomisches Desaster beklagt, ist für etliche – zunehmend seltener werdende – Brutvogelarten ein wahrer Segen. Dieser hält sich jedoch in engen Grenzen, wenn die Natur rasch wieder „in Ordnung gebracht“ wird und düngender Nährstoffeintrag die offenen Flächen schneller denn je wieder zuwachsen lässt. Um diese Phänomene am Beispiel des Reinhäuser Walds südlich von Göttingen genauer zu erkunden hatte sich im Frühjahr 2009 ein Team unseres Arbeitskreises unter der Ägide Katastrophen? – Wir warten nur darauf! weiterlesen

Raues Klima macht rauen Füßen Beine

Der Raufußbussard (Buteo lagopus) ist ein vereinzelter Wintergast und Durchzügler in Südniedersachsen und wird nicht alljährlich nachgewiesen. Im vergangenen Kältewinter 2010 kam es jedoch nach 1977 und 1987 erneut zu einem regelrechten Einflug dieses im Gegensatz zum Mäusebussard fast anmutigen Greifvogels, dessen Brutgebiete in den Tundrazonen rund um den Polarkreis liegen. Die hohen Schneelagen in den regulären Überwinterungsgebieten der norddeutschen Tiefebene und den Niederungen des östlichen Mitteleuropas dürften die Tiere veranlasst haben, diese zu verlassen und nach Süden auszuweichen. Die erste Beobachtung eines Raufußbussards in Südniedersachsen gelang bereits im November 2009. Im Februar 2010 stieg die Zahl der Beobachtungen dann drastisch an und kulminierte in der zweiten Monatshälfte. Raues Klima macht rauen Füßen Beine weiterlesen

Heimzug und Brutzeit 2010 – wer besteht den Härtetest?

Nach einem extrem harten und langen Winter wartete das Wetter mit weiteren Kapriolen auf. Während der April warm und viel zu trocken war, lag die durchschnittliche Maitemperatur in Göttingen um 1,5°C unter dem langjährigen Mittel. Die erste Hälfte des Wonnemonats fiel sogar noch kühler aus und war zudem von überdurchschnittlich hohen Niederschlägen und einem außergewöhnlichen Defizit an Sonnentagen geprägt. Bundesweit war der Mai 2010 der kälteste seit 1991 und einer der kältesten seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen. Der Juni hingegen zeigte sich bis dato, die übliche Schafskälte eingeschlossen, von einer etwas wärmeren Seite.Der Erfolg vieler Singvogelarten tendierte im Mai bei den Erstbruten gegen Null. In den meisten von hungrigem Heimzug und Brutzeit 2010 – wer besteht den Härtetest? weiterlesen

Das Birdrace 2010 im Göttinger Land

Weil der Internationale Kampftag der Arbeiterklasse dieses Jahr auf den ersten Samstag des Wonnemonats fiel, fand das Birdrace eine Woche später am 8. Mai statt – dem Jahrestag der Befreiung vom Faschismus 1945, der jedoch von den allermeisten VogelbeobachterInnen nur noch als interessantes Datum für gefiederte Seltenheiten wahrgenommen wird.Bei passablen Witterungsbedingungen (windstill, weitgehend trocken und bis zu 15°C warm) traten in der Region gleich vier Teams gegen- und miteinander an. Wer mag, kann ihre nach Arten und Uhrzeit der Entdeckung gegliederte Gesamtausbeute auf der Homepage des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) umfassend in Augenschein nehmen. Das in zahlreichen Niederlagen gestählte Traditionsteam der „Göttinger Sozialbrachvögel“ (seit 2005 dabei) hatte sich Das Birdrace 2010 im Göttinger Land weiterlesen

Endlich: Sensationelle Fotos freigegeben!

2007 wurde der englische Spielfilm „Irina Palm“ (Regie: Sam Gabarski) auf der Berlinale uraufgeführt und erhielt 27 Minuten lange, stehende Ovationen. In der Titelrolle verkörpert die grandiose Marianne Faithfull, deren Leben von Abstürzen und Auferstehungen geprägt ist wie kaum ein zweites, anrührend und komisch zugleich eine mittellose Hausfrau, die ihrem todkranken Enkel eine kostspielige Behandlung in Australien finanziert. Sie tut dies, indem sie – unter dem Künstlerinnennamen „Irina Palm“ – sexuell überfrachteten Londoner Männern durch ein Loch in der Wand eines Sexclubs („Glory Hole“) im Handumdrehen Erleichterung verschafft. Nach kurzer Zeit wird sie, ihrer speziellen Begabung wegen, zur vielgefragten Hauptattraktion des Etablissements. Sie entwickelt eine Wertschätzung der eigenen Endlich: Sensationelle Fotos freigegeben! weiterlesen

Der Winter 2009/2010 oder: Wenn Niedersachsens südlicher Zipfel zum Eiszapfen gefriert

Der Januar 2010 war der wärmste oder zweitwärmste seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen (WetterOnline-Forum vom 5.2.). Wie bitte? Durchgeknallt, oder was? Von wegen: Global betrachtet trifft diese für unsere Breiten grotesk anmutende Aussage durchaus zu. Das pazifische Wetterphänomen “El Niño” drückte sich in einer starken Erwärmung des Meerwassers aus, während sich gleichzeitig als Antipode ein zähes Kältetief über dem Nordatlantik festsetzte. Auf der südlichen Halbkugel war es mithin viel zu warm, auf der nördlichen dagegen saukalt. Wenn man die extremen Temperaturunterschiede zum Jahresbeginn 2010 wie in einem Cocktailschwenker schüttelt (oder verrührt, das ist in diesem Fall egal!), kommt als Ergebnis ein Global-Durchschnittswert heraus, der über dem langjährigen Mittel liegt. Der Winter 2009/2010 oder: Wenn Niedersachsens südlicher Zipfel zum Eiszapfen gefriert weiterlesen

„Göttingens gefiederte Mitbürger. Streifzüge durch die Vogelwelt einer kleinen Großstadt“

Unter diesem sympathisch verschnarchten Titel ist, nach einer elefantösen Tragzeit von 22 Monaten, ein kleines Buch ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. Sein Inhalt ist jedoch nur bedingt für die Kaffeetafel geeignet. Vielmehr wird hier der Versuch unternommen, dem interessierten Normalbürger Einblicke in ökologische Prozesse und in die Auswirkungen menschlicher Umgestaltungen zu verschaffen, deren Bedeutung für Vogelpopulationen gar nicht hoch genug angesetzt werden kann. Möglicherweise könnte sogar der eine oder andere Vogelkundler von der Lektüre profitieren… Das mit über 150 Fotos, Tabellen und Karten reich bebilderte Werk konzentriert sich in seinem Hauptteil auf die Brutvögel des 116 km² großen Göttinger Stadtgebiets und deren arttypische Lebensräume. Auf der Basis von „Göttingens gefiederte Mitbürger. Streifzüge durch die Vogelwelt einer kleinen Großstadt“ weiterlesen

Eisvogel fängt Spitzmaus?

„Fischer sind vielfach langweilige, mürrische, einsiedlerische Gesellen, bei den Tieren sowohl wie bei den Menschen, und das gilt auch für den Eisvogel.“ So sah das zumindest Flöricke im Jahre 1907 [1]. Eisvögel ernähren sich tatsächlich vorwiegend von kleinen Fischen, im Sommerhalbjahr teilweise auch von Insekten [2]. Im Winter jedoch, wenn viele Gewässer zugefroren sind, kommen die Vögel nur schwer an ihre Beute. In harten Wintern wie diesem haben sie es besonders schwer und es kommt zu radikalen Bestandseinbußen, von denen sich lokale Populationen zum Teil erst nach Jahren wieder erholen [3]. Auf ihrer verzweifelten Suche nach eisfreien Gewässern kann man Eisvögel in der Nähe menschlicher Behausungen und sogar Eisvogel fängt Spitzmaus? weiterlesen